Kleine ganz Groß – 24 Stunden Berufsfeuerwehrtag der Jugendfeuerwehr Karben

  

Mit Blaulicht und Martinshorn geht es quer durch die Stadt. Feuer – Menschenleben in Gefahr, so lautet das Stichwort. Ein ganzer Löschzug eilt zum JUKUZ in Karben. Dort steigt Qualm aus einem Gebäude in die Luft.

Was für viele wie ein Unglück aussah, bestätigte sich aber glücklicherweise als eine der zahlreichen Übungen des diesjährigen 24-Stunden Berufsfeuerwehrtages der Jugendfeuerwehren Karben Mitte und Okarben.

Realitätsnähe sind den Jugendwarten und Betreuern wichtig, schließlich sollen die Jugendlichen im Alter von zehn bis 17 Jahren auf das Leben in der Einsatzabteilung vorbereitet werden. Einen ganzen Tag und eine ganze Nacht stecken die Mitglieder in der Haut eines echten Feuerwehrmannes und natürlich auch Feuerwehrfrau. „Die Jugendlichen warten euphorisch das ganze Jahr auf dieses Event“ so Fabian Scholz, Jugendwart der Feuerwehr Okarben.

Dienstbeginn war am Samstag, 04.10.2014 um 09:00 Uhr im Gerätehaus Am Breul. Die insgesamt 22 Jugendlichen wurden auf ihre Fahrzeuge eingeteilt, wie bei der echten Berufsfeuerwehr. Die Besonderheit in diesem Jahr, zwei Jugendfeuerwehrmitglieder aus dem Stadtteil Burg-Gräfenrode durften als Belohnung für die erst kürzlich zuvor bestandene Leistungsspange ebenfalls bei dem Berufsfeuerwehrtag mitmachen.

Bereits um 10:00 Uhr läutete der Gong im Gerätehaus – Gefahrguteinsatz. An der Waldhol wurden Fässer mit Gefahrgut gefunden. Mit Schutzausrüstung und Dekon wurde dieser Einsatz fachgerecht von den Mitgliedern abgearbeitet. Nach rund 90 Minuten war dieser Einsatz abgearbeitet.

Zurück im Gerätehaus gab es erst einmal Mittagessen, Nudeln mit Hackfleichsoße.

Ein Höhepunkt und Premiere bei dem diesjährigen Berufsfeuerwehrtag war ein Ausflug zum Rettungshubschrauber Mittelhessen. Die Jugendlichen fuhren gemeinsam zum Flugplatz nach Reichelsheim und durften dort hautnah den Hubschrauber besichtigen. „Der Besuch stach besonders hervor“ resümierte Alexander Kleinhans, Jugendwart Feuerwehr Karben Mitte.

Die Jugendlichen waren nicht lange im Gerätehaus zurück, als es nun hieß „Feueralarm – Menschenleben in Gefahr“. Die Mitglieder rannten zu ihren Löschfahrzeugen, drei werden nun gleichzeitig in Richtung JUKUZ ausrücken. Hektik und dennoch eine gewissen Ruhe breitet sich bei den Jugendfeuerwehrmitgliedern aus. Mit Blaulicht und Martinshorn geht es nun quer durch die Karbener City. Am JUKUZ angekommen nehmen die Fahrzeuge an verschiedenen, strategisch günstigen Positionen Aufstellung. Dann geht alles ganz schnell. Schläuche rollen über das Gelände, aus einer Lagerhalle und einem Kellerfenster steigt dichter Qualm auf – Diskonebel. Doch auch in diesem Nebel sieht man die Hand vor Augen nicht. Und da war sie wieder, die gewünschte und versprochene Realitätsnähe. Ohne zu zögern und wie sie es gelernt haben, legen sich zwei Jugendliche, der sogenannte Angriffstrupp, auf den Boden, bewaffnet mit einem C-Rohr und kriechen in den Nebel hinein. „Tiefste Gangart“ weiß einer der Jugendlichen „denn am Boden ist es am kühlsten und der Rauch ist dort am wenigsten“. Da macht es auch nichts, wenn die Uniform ein wenig dreckig wird – das gehört dazu. Gleichzeitig wird von den anderen Trupps von außen gelöscht. Nach wenigen Minuten, zielstrebig und sicher, kommt der Angriffstrupp mit einer verletzten Person, dargestellt von einer Strohpuppe, wieder aus dem Gebäude hinaus. Ein zweiter Trupp geht gleich wieder hinein, um einer weitere Person zu retten. Schnell noch den Lüfter aufgestellt, um den Rauch im Gebäude zu entfernen. Dies verschafft bessere Sicht für die Jugend im Gebäude. Routiniert und sicher wurde dieser Einsatz, bei dem sich auch der stellvertretende Stadtbrandinspektor Christian Becker ein Bild von machte, abgearbeitet. „Der stadtteilübergreifende Berufsfeuerwehrtag ist eine sehr gute Sache“, so Becker „denn hier werden die Jugendlichen perfekt auf die Einsatzabteilung vorbereitet.“ Denn bei einem realen Einsatz rücken oft mehrere Kabener Stadtteile zusammen aus. Gemeinsam wird dann ein Einsatz abgearbeitet – Einzelkämpfer gibt es nicht. „Es macht mich stolz, dass die Jugendwarte so gute Arbeit leisten. Die Jugend ist stets gut vorbereitet, wenn sie in die Einsatzabteilung wechselt.“ so Becker weiter.  

Nach dem Einsatz gab es dann erst einmal Pizza zum Abendessen. Gestärkt ging es dann in den gemütlichen Teil über – Gemeinschaftsspiele. Und gerade als sich die Jugend ins Bett legen wollte, läutete der Gong erneut. Feueralarm – es brennt. Diesmal sogar in echt. Auf einem Hof in der Gemarkung Kloppenheim brannte ein großer Holzstapel. Dieser musste von den Kids abgelöscht werden. Insgesamt wurden hierfür 9 C-Rohre eingesetzt. Jeder durfte einmal das echte Feuer löschen. Schnell hatten die Mitglieder auch diesen Einsatz abgearbeitet. Müde und dennoch noch voller Adrenalin ging es zurück. Die Nachtruhe nahte. Doch die Nacht sollte nicht von allzu langer Dauer sein.

Schon um 06:00 Uhr in der früh läutete es erneut – Verkehrsunfall. Ein Auto lag auf einer Person. Fachgerecht wurde das Auto mittels Luftheber angehoben und die Person aus seiner misslichen Lage befreit.

Im Gerätehaus wurde nach diesem Einsatz gemeinsam gefrühstückt. Im Anschluss wurden alle Fahrzeuge gesäubert und wieder auf Vordermann gebracht. Denn auch dies gehört zu den Aufgaben eines Feuerwehrmannes. „Alles ist super gelaufen“ so Alexander Kleinhans, „alle waren sehr begeistert“. Fabian Scholz ergänzt „es haben sich über die 24 Stunden neue Freundschaften gebildet“. Die Jugendwarte sind erfreut über die erbrachte Leistung ihrer Mitglieder und sind sich einig – im kommenden Jahr wird es wieder einen Berufsfeuerwehrtag geben.  

 

Bilder vom Berufsfeuerwehrtag: