20 Verletzte nach Feuer im Karbener Kino

Feuerwehr Karben probt den Ernstfall

Insgesamt wurden 15 Atemschutzgeräteträger eingesetzt

Der Cinepark Karben ist komplett verraucht. Menschen schreien laut um Hilfe. Von weitem hört man schon das Martinshorn der Feuerwehr. Nur knapp fünf Minuten nach der Alarmierung treffen zwei Löschfahrzeuge ein. "Diese wurden zunächst nur zu einer ausgelösten Brandmeldeanlage zum Kino alarmiert" so René Seemann (36) von der Feuerwehr Karben Mitte, der diese Großübung mit Hilfe von Uwe Axtmann organisierte. Schnell wurde jedoch klar, dass die Anlage nicht um sonst auslöste. Dichter Qualm quillt durch Türen und Fenster. Auf einem Balkon ruft ein Mann um Hilfe. Es sollen sich noch viele Besucher im Kino aufhalten, heißt es. Wie viele ist zunächst unklar. 300 Sitzplätze umfasst das Karbener Kino. "Bei solch einem Szenario muss man erst einmal vom Worst Case ausgehen" weiß Seemann.

Feuerwehrleute übergeben die geretteten Personen an das DRK

Unverzüglich wurden weitere Wehren und das Deutsche Rote Kreuz nachalarmiert. Der erst kürzlich neu gewählte stellvertretende Stadtbrandinspektor Christoph Häusler (29) ist sich sicher, im "Realfall hätten wir nun Vollalarm gegeben und auch noch weitere Wehren aus dem Umkreis, sowie eine zweite Drehleiter hinzu alarmiert". Angenommen wurde ein Schwelbrand im Bürobereich. Der giftige Rauch gelangte sogar in den mit Besuchern besetzten Kinosaal. Als der Betriebsleiter Martin Hofmann (42) den Brand bemerkt und einen Löschversuch startet, kommt es zu einer Verpuffung, bei der im Foyer befindlichen Personen Verletzungen erleiden. "Realitätsnah" findet Hofmann die Übung "Es ist nicht auszuschließen, dass solch ein Szenario vorkommen könnte.

Lagebesprechung

Es ist zwar sehr unwahrscheinlich, aber falls doch, dann ist die Feuerwehr nun professionell vorbereitet". Dass die Feuerwehr in seinem Kino probt findet Hofmann positiv. Er ist der Meinung, dass andere, spezielle Objekte ebenfalls der Feuerwehr ihre Räumlichkeiten zur Verfügung stellen sollten. Es sei wichtig, dass die Feuerwehrleute die Gegebenheiten kennen. Sich im Rauch zu orientieren sei sowieso sehr schwer, dass habe Hofmann am eigenen Leib bei dieser Übung gemerkt „und ich kenne mich in meinem Kino aus“. Für Hofmann stand es nie zur Debatte, sagte sofort zu als die Anfrage für eine Übung kam. Er selbst wollte, dass die Feuerwehr einmal probt.

Die Verletzten wurden realitätsnah vom DRK geschminkt

Die Verletzten wurden realitätsnah vom DRK geschminkt

Nach und nach retten Atemschutztrupps, insgesamt waren 15 Atemschutzgeräteträger im Einsatz, die ersten Verletzten aus dem Foyer. Von einem Balkon müssen Personen über eine Leiter nach unten verbracht werden. Weitere Atemschutztrupps gelangen in den Kinosaal. Während dort die ersten Personen ins Freie verbracht oder gar getragen werden, schreien im Hintergrund weitere Verletzte um Hilfe, teilweise sind einige bewusstlos. Ein Horrorszenario für jeden Feuerwehrmann. Dennoch lief alles schnell und koordiniert ab, von gefährlicher Hektik keine Spur. Die insgesamt rund 50 Feuerwehrfrauen und -männer vor Ort bewahrten einen „coolen Kopf“, so Seemann. Ziel der Übung sei dieses mal nicht die Brandbekämpfung, sondern die Menschenrettung gewesen. Erschwerend hierbei ist selbstverständlich die Anzahl der Verletzten und der Umgang der Rettung. Weit hergeholt ist diese Vielzahl zu rettender Personen, mit Hinblick auf die unter anderem zwei sich in Karben befindlichen Seniorenheime, der vielen Schulen oder großen Betrieben definitiv nicht. „Löblich war es“, freute sich Seemann, denn die Feuerwehrleute legten den Fokus genau hierauf. Menschenrettung ginge immer vor. Der Einsatz wurde systematisch abgearbeitet, die Kräfte hätten vorbildlich gehandelt. Die realitätsnah geschminkten Verletzten wurden außerhalb dem DRK übergeben.

Insgesamt mussten 20 Personen gerettet werden

Die insgesamt 18 Retter vom Roten Kreuz behandelten die zum teil Schwerverletzten. „Wir mussten fünf leicht und 15 schwerverletzte behandeln, davon waren drei bewusstlos“ resümierte Marcus Neubert, Einsatzleiter vom Roten Kreuz. Die Feuerwehr war mit insgesamt sieben Fahrzeugen vor Ort, zwei davon waren sogar von der Feuerwehr Nieder-Erlenbach. Es sei wichtig „über den Tellerrand hinauszuschauen“ gab der neue Stadtbrandinspektor Christian Becker (30) zu verstehen. Die Zusammenarbeit mit anderen Städten oder Wehren sei ihm wichtig. Die Übung selbst fand Becker gelungen. „Bei einer Übung darf auch mal was schief laufen, damit es im Ernstfall dann auch funktioniert“. An den kleinen Problemen wird geübt und gegebenenfalls Sachen geändert. Deshalb seien regelmäßige Übungen wichtig. Fast alle Feuerwehren in Karben treffen sich wöchentlich zum üben. Und solch ein Szenario in Realität? Becker ist überzeugt „So etwas ist nicht alltäglich, aber falls dieser Fall wirklich einmal vorkommen sollte, dann sind meine Frauen und Männer top vorbereitet“.

Bilder von der Großübung

(ein Fotoalbum mit vielen weiteren Bildern finden Sie auf unserer Facebookseite)